Foto-Projekte

Ziel von meinen Foto-Projekten ist es das Verhalten von Tieren umfänglich zu dokumentieren. Dazu ist es erforderlich verschiedene Orte häufig aufzusuchen und dort viel Zeit zu verbingen. Natürlich kann ich nur den Teil des Verhaltens dokumentieren, den die Tiere in der Zeit an den Tag legen, wenn sie sich an den beschriebenen Orten aufhalten.

Hier zeige ich Ergebnisse von weitestgehend abgeschlossenen Projekten. Bei den Fotos handelt es sich um Naturdokumente.

Viele Stunden verbringe ich bei den Tieren und es ist immer wieder überraschend, wenn sie schließlich erkennen, dass von meiner Seite keine Gefahr droht. Und so entstehen Situationen in denen beispielsweise ein Haubentaucher an meinem Schnürsenkel zieht, ein Kleiber zwischen meinen Füßen nach Fressbarem am Boden sucht oder sich ein junger Kranich wenige Meter vor mir auf den Boden setzt und mit der Gefiederpflege beginnt.

Das sind natürlich besondere Naturerlebnisse, die ich in vielen Fällen nicht in Fotos festhalte. Aber der Vorteil der Akzeptanz meiner Anwesenheit durch die Tiere ermöglicht Fotos, die sonst nicht möglich gewesen wären... 

Foto-Projekt: Graukraniche
(Grus grus)

Seit mehreren Jahren ist es mir möglich die Balz, Brut und Aufzucht der Jungvögel zu beobachten. In unseren Breiten fliegen Graukraniche in der Regel direkt auf, wenn man sich ihnen nur auf mehrere hundert Meter nähert. Die Kraniche, die ich beobachten kann, akzeptieren zum Glück deutlich geringere Abstände und nähern sich manchmal aus eigenen Stücken auf nur wenige Meter.

Die folgende Dokumentation gibt das Verhalten eines Kranichpaares und verschiedener Jungtiere wider. Es unterscheidet sich oftmals von den in der Literatur beschriebenen Verhaltensweisen von Graukranichen - z. B. die bereits erwähnte deutlich geringere Fluchtdistanz. Eine Übertragung der von mir dokumentierten Verhaltensweise auf andere bzw. alle Graukraniche ist daher nur eingeschränkt möglich.

Leider schaffen es die Altvögel nicht in jedem Jahr die Brut bis zum Zeitpunkt des Abflugs erfolgreich durchzubringen. Erkrankungen der Küken und erfolgreiche Jagden anderer Prädatoren führen immer wieder zum Tode junger Kraniche. Daher ist es für mich ein großes Geschenk insbesondere in erfolgreichen Jahren die Kraniche über den gesamten Zeitraum der Aufzucht begleiten zu können.

Ankunft und Balz
im Frühjahr

Die von mir beobachteten Kraniche gehören zu den Kurzstreckenziehern. D. h. sie fliegen im Winter nicht mehr bis nach Afrika oder Spanien sondern fliegen immer nur so weit, dass sie in einer frostfreien Umgebung sind. In milden Wintern habe ich die Altvögel auch im Dezember und Januar - zumindest zeitweise - im Brutrevier angetroffen.

Dies hat für die Tiere insbesondere die im Folgenden genannten Vorteile. Zum einen verbrauchen sie wegen der kürzeren Flugstrecke viel weniger Energie. Zum anderen erreichen die beiden das Brutgebiet früher als Langstreckenzieher und können ihr Brutrevier vor möglichen Rivalen verteidigen.

Wenn dennoch andere Kraniche im Revier landeten konnte ich beobachten, wie diese lautstark von den Revierinhabern vertrieben wurden.
Nach ihrer Rückkehr bis zum Beginn der Brut laufen beide Alttiere i.d.R. zusammen auf der Suche nach Nahrung durch das gesamte Revier.

Paarung und Brut

Die Paarung im Bild festhalten zu können ist vergleichsweise schwierig. Zum einen ist die Paarungsphase relativ kurz und zum anderen berücksichtigen die Kraniche bei der Paarung weder Fotodistanz noch einen freien Blick auf die Szene. Trotz der mehrjährigen Beobachtung der Tiere konnte ich diese Szene nur einmalig zufriedenstellend fotografieren.

Den Beginn der Brutphase kann man daran erkennen, dass man die Vögel nur noch einzeln auf der Nahrungssuche beobachten kann. Es ist sinnvoll diesen Zeitpunkt so genau wie möglich zu registrieren, da von diesem Zeitpunkt auf den möglichen Termin des Schlüpfens der Jungvögel geschlossen werden kann. In dieser Zeit wechseln sich beide Altvögel mit der Brutpflege ab. Beim Brutwechsel findet immer dasselbe Begrüßungsritual unter lautem Trompeten statt.

Zu Beginn meiner Beobachtungen konnte man von einer erhöhten Position relativ gut in das Nest der Kraniche schauen. Mittlerweile hat sich die Vegation im Umfeld derart entwickelt, dass kein Blick auf das Nest mehr möglich ist.

Die ersten Wochen nach dem Schlüpfen

Seitdem ich die Kraniche beobachten konnte, legte die Henne immer zwei Eier. Wenn beide Küken geschlüpft waren und die ersten Stunden überlebt hatten, dann konnte ich eine feste Zuordnung der Jungvögel zu einem der beiden Altvögel feststellen. Dies konnte ich u. a. daraus schließen, da sich die Verhaltensweisen der Altvögel auf die Jungvögel übertrugen. Der Hahn akzeptiert im Vergleich zur Henne eine geringere Nähe zu Menschen. Diesen Unterschied kann man bereits nach relativ kurzer Zeit auch bei den Jungvögeln beobachten und ändert sich auch nicht mehr bis zum Zeitpunkt der Flugfähigkeit.

Auch nur so konnte ich es mir in diesem Jahr (2025) erklären, dass nach dem Tod eines der Küken, der Hahn für etwa ein bis zwei Tage danach ein seltsames Verhalten zeigte. Er flog mehrmals ein Stück von der Henne mit dem anderen Küken fort (ohne das Revier zu verlassen), um alleine zu fressen. Sonst waren sie immer zu viert beisammen geblieben.
Kurze Zeit später waren die Vögel aber wieder fortwährend zu dritt unterwegs. Für das Jungtier war es dahingehend vorteilhaft, dass es  von da an von beiden Altvögeln gefüttert wurde.

Nahrungssuche

Kraniche sind Allesfresser. Sie suchen auf Wiesen nach Insekten und Würmern, fressen aber auch Sämereien, Beeren sowie Obst. Und wenn sie eine Maus erbeuten oder Kleintierkadaver finden, dann verschmähen sie auch diese nicht.

Besonders interessant finde ich ihre Vorgehensweise beim Fressen von Grassamen. Dabei drehen sie ihren Kopf um fast 90 Grad zur Seite, nehmen einen oder mehere Halme in den Schnabel und führen den Kopf nach oben. So streifen sie die Samen vom Grashalm ab. Da die Samen dann aber noch auf der seitlichen Oberseite des Schnabels liegen, drehen sie dann zügig ihren Kopf mit geöffnetem Schnabel und fangen die Samen in der Luft auf.

Kraniche und Wasser

Kraniche haben kein (sehr) wasserabweisendes Gefieder. Daher sind die Vögel nach einem Regenguss vollkommen durchnässt.

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass die Altvögel Schlamm auf ihr Gefieder schmieren. Diese Stellen verfärben sich bei Nässe dunkel.

Ich konnte nicht beobachten, dass die Altvögel ihren Nachwuchs vor Regen schützen. Daher war auch der Jungvogel völlig durchnässt.

Zudem konnte ich das erste Mal aus der Nähe beobachten wie die Kraniche trinken. Leider konnte ich sie bisher noch nicht beim Baden fotografieren.

Foto-Projekt: Haubentaucher
(Podiceps cristatus)

Das erste Mal hatte ich im Jahre 2008 die Gelegenheit Haubentaucher aus nächster Nähe zu fotografieren. Seitdem ergeben sich immer wieder Gelegenheiten. Allerdings in nur wenigen Jahren liegen nahezu optimale Bedingungen vor, in denen eine Brut durchgebracht wird und sich das Nest in fotografisch geeigneter Lage befindet. Die hier gezeigten Fotos stammen aus dem gesamten Zeitraum meiner Beobachtungen.

Die Balz der Haubentaucher ist vielfältig und spannend zu beobachten. Hat sich ein Haubentaucherpaar einmal gefunden, dann festigen sie ihre Bindung durch "einfaches" Rufen das oftmals damit endet, dass  sich das Paar unmittelbar gegenübersteht und beide den Kopf schütteln. Den Höhepunkt der Balz bildet dann der Pinguintanz des Paares. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen dieses Ereignis zufriedenstellend zu fotografieren.

Balz und Nestbau

Haubentaucher sind nicht von Geburt an Baumeister von Schwimmnestern. Bauerfahrene Haubentaucher befestigen ihr Nest an einem Ast im Gewässer, der das Nest festhält und dem Bau Stabilität verleiht. Für den Bau werden z. B. Äste, Laub sowie Gras vom Ufer und dem Grund des Gewässers gesammelt und aufgehäuft. Leider werden für den Bau auch immer wieder feste Abfälle verwendet, die ins Wasser gelangt sind.

Hat das Nest eine Mindestgröße erreicht, dann springen die Haubentaucher immer wieder auf das Nest, um die Stabilität und Tragfähigkeit zu prüfen. Immer wieder konnte ich beobachten, dass manche Haubentaucher ihre Konstruktion dabei wieder zerstörten.

Aber auch stabile Nester können durch äußere Randbedingungen zerstört werden. Insbesondere durch starke Niederschläge mit einem großem Anstieg des Wasserspiegels führten oftmals zum Verlust des Nestes.

Revierverteidigung

Haubentaucher verteidigen ihr Revier akustisch, mit ihrer Körpersprache und schließlich auch mit Gewalt.

Nähern sich Rivalen oder auch andere Wasservögel dem Nest, dann machen die Revierinhaber in der ersten Stufe akustisch auf sich aufmerksam.

In der zweiten Stufe verändern sie ihre Körperhaltung. Dabei machen sie sich lang und legen sie sich pfeilartig auf das Wasser. Falls diese Drohung noch nicht ausreicht, dann tauchen die Haubentaucher ins Wasser tauchen aber in unmittelbarer Nähe wieder auf.

In der letzten Stufe tauchen die Haubentaucher in Richtung der Kontrahenten, um sie zum einen bereits unterhalb der Wasseroberfläche bereits zu attackieren und den flüchtenden Vögeln nachzusetzen. Dabei werden die spitzen Schnäbel zu Waffen und die körperlichen Auseinandersetzungen werden so lange fortgeführt, bis ein Vogel flieht.

Auzucht der Jungtiere

Die Brut und die Aufzucht der Jungtiere erfolgt sowohl durch den weiblichen als auch durch den männlichen Altvogel. So kann man immer wieder Brutwechsel auf dem Nest beobachten. Da die Vögel keine auffälligen äußerlichen Merkmale aufweisen, können die Geschlechter nur während der Paarung auf dem Nest sicher unterschieden werden.

Nach dem Schlüpfen werden die Jungtiere zeitweise auf den Rücken der Altvögel transportiert. Die Jungvögel können zwar bereits schwimmen aber ihr Federkleid ist noch nicht ausreichend wasserabweisend, so dass sie das Wasser immer wieder verlassen müssen. Zusätzlich bietet das Gefieder der Alttiere auch einen gewissen Schutz vor Angriffen aus der Luft von zum Beispiel Möwen.

Auch vor dem zuletzt genannten Grund bevorzugen Haubentaucher für die Errichtung ihrer Nester Orte, die unter überhängenden Ästen von Bäumen liegen. Das Nest wird von den Altvögeln auch nach dem Schlüpfen vor anderen Haubentauchern oder Bäßrallen verteidigt, da sie mit dem Nachwuchs dorthin immer wieder zurückkehren.

Häufig können Haubentaucher dabei beobachtet werden wie sie Federn schlucken oder mit ihrem Schnabel Federn an ihre Jungtiere reichen. Dies dient dem Schutz von Magen und Darm vor den Gräten der Fische.

Sonstige Beobachtungen

Haubentaucher jagen primär Fische - sie fressen aber auch Insekten und Sämereien. An einem Tag konnte ich beobachten, wie ein Haubentaucher Jagd auf Eintagsfliegen machte.

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